Eine Passion

 

Schweizer Erstaufführung    

 

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Von Michael Radulescu,

„Leiden und Tod Unsres Herrn und Heilands Jesus Christus“ (2003)

EinePASSION, für alto Solo, Bass Solo, 2 Chören, 4 Flöten, 4 Contrabass

4 Posaunen, 4 Gamben, 2 Schlagzeudgruppen

(Graz, Dom, 15.03)

(Wien, Michaelerkirche, 16.03)

 

Porrentruy, église des Jésuites

 

40/30/20 CHF (réduit: 5CHF)

33/25/15 Euros (réduit: 4 Euros)

 

Samstag 23. März 2013 um 20 Uhr

Sonntag 24. März 2013 um 17 Uhr

 

In Kollaboration mit SFR / RTS Espace 2

 

 

 

 

 

 

 
 

Photo: Zentrum Wien, 17.03 2013

 

 

Dauer: 85 Minuten, ohe Pause

 

 

Direction:                    Michael Radulescu, Vienne / Wien website

Alto solo:                     Pia Hansen, Copenhague

Bass solo:                    Ulf Bästlein, Graz

Chor I:                         Domkantorei, Graz, Josef M. Doeller website

Chor II:                        HIB.art.chor Graz-LiebenauMaria Fürntratt website

Orchestre:                  Domorchester, Graz

Percussions:               Studio Percussion Graz webseite

 

 

 

 

Das Werk ist im Jahr 2003, nach einem Aufruf der Stadt Graz, damals Europäische Kulturstadt, entstanden. Nach Wien und Graz wird das Werk nun unter der Führung des Komponisten selbst zweimal in der berühmten Jesuitenkirche von Porrentruy, in der Michael Radulescu seit zwanzig Jahren die Internationale Bachakademie leitet, zu hören sein. Der Hand des Komponisten folgen zu können, wenn er die Chöre und Musiker, für welche diese Musik erdacht wurde, dirigiert, bildet einen ganz besonderen Anreiz.

 

Die Komposition ist zeitgenössisch, doch knüpft Michael Radulescu an die herkömmliche Weise des Mittelalters an, wenn er dem Zuhörer mal die bittere Not und Qual des einsam dastehenden Menschen (Jesu) nachzu- empfinden geben möchte, mal das hektische Geschrei der Menge zu Ohren bringt. Die Töne der Schlaginstrumente begleiten das Geschrei; sie skandieren das unausweichliche Drama, das sich entwickelt.  

 

Die Instrumentierung sieht zwei Kontrabässe, zwei Flöten sowie jeweils eine Schlaginstrumentengruppe für die beiden Chöre vor. Inmitten dieser Pole befindet sich eine Gruppe von vier Gamben, zwei Posaunen sowie die Bassstimme des Sängers Ulf Bästler als « Stimme Jesu ». Das einzige Instrumentensolo wird von den Gamben gespielt, und zwar in dem entscheidenden Augenblick, in dem Jesus sein Alleinsein vor der schweren Prüfung, die auf ihn zukommt, ermisst. Diese musikalische Untermalung ist von ergreifender Kraft; sie lädt den Zuhörer dazu ein, sein eigenes Inneres zu erforschen.

 

Die Handlung der Leidensgeschichte wird von einem monotonen Klagegesang nach einem alten Text, von Luther übersetzt, eingeleitet. Er wird von Pia Hansens Altstimme getragen. Wesentliche Fragen klingen an: Wer wird uns helfen, frei zu bleiben ? Wer wird uns zu Hife kommen, wenn wir mit dem Tode ringen ?

 

Diese Eröffnung lässt den Zuhörer erschauern; sie führt ihn zum Kern des Nachsinnens. Der Schluss des gleichen Textes bildet das Nachspiel des Werkes: Nach viel Ergriffen- und Angespanntsein kann der Zuhörer aufatmen, wenn es endlich zur Besänftigung kommt und hell wird.

 

 

 

Zu LEIDEN UND TOD UNSRES HERRN UND HEILANDS JESUS CHRISTUS

Eine Fülle von Fragen hat sowohl die Vorbereitungen als auch die gesamte Arbeit an diesem Werk begleitet und verfolgt: Kann man nach Bach, und seine Musik kennend, heute noch den neutestamentlichen Passionsbericht vertonen? Welches Evangelium und welche Übersetzung kämen dafür in Frage, ohne zwangsläufig Anklänge an das gewaltige Bachsche Vorbild aufkommen zu lassen? Wie vertont man heute nachvollziehbar und noch verständlich eine „Handlung“, ohne die Secco-Rezitative des „Evangelisten“? Soll der Bericht gar nur gesprochen werden wie bei Penderecki etwa? Soll man einen Gegenwartsbezug des enorm komplexen und symbolisch dichten Geschehens herstellen und, wenn ja, wie, ohne in plumpe Platitüden zu verfallen?

Die Textwahl fiel auf eine Kompilation aus den drei „synoptischen“ Evangelien: Matthäus, Markus und Lukas, die – als Gegenstück zu Johannes – bestens kombinierbar sind und einander ergänzen. Dafür wurden zwei jüngere Übersetzungen des Neuen Testamentes herangezogen: jene von Fridolin Stier (1989, München/Düsseldorf) und jene von Carl Weizsäcker (1900 Tübingen/Freiburg i. Br./Leipzig), wobei der Klang und Duktus der Sprache selbst die jeweilige Entscheidung bestimmten. Dazu wurde, gleichsam als textlicher Kontrapunkt, das Lied „Mitten wir im Leben“ (Salzburg 1456, Martin Luther 1524) mitvertont und der Alt-Solostimme als „Klagender“ zugewiesen.

Die Mehrschichtigkeit der Textvorlagen, nämlich als Bericht, als direkte Rede, als Betrachtung, war für die Besetzung des Werkes mitentscheidendend: Alt-Solo (im Publikum aufgestellt), Baß-Solo als „vox Christi“, 2 gemischte Chöre, je 2 Flöten und 2 Kontrabässe zu jedem Chor, 2 Schlagzeug-Gruppen, 4 Gamben und 4 Posaunen. Das Tonmaterial des Werkes basiert auf siebentönigen Modi, die sich ihrerseits aus je zwei unterschiedlichen, in sich symmetrisch aufgebauten Tetrachorden zusammensetzen. In der Vertonung des Textes wird besonders auf die Syntax, auf die jeweilige Vokalfärbung, auf die Assonanz, auf den natürlichen bzw. stilisierten Rhythmus der Sprache Rücksicht genommen. Der Ausgangspunkt dabei ist die frühmittelalterliche liturgische Vortragsweise der Evangelien: Die alten litterae significativae, welche elementare Vortragsbezeichnungen darstellen, finden ihren Niederschlag in der Variabilität der Bewegung und des Duktus, Rhythmus überhaupt; der vertonte Bericht wird seinerseits von neuen, aus dem jeweiligen Tongeschlecht sich ergebenden „Lektionstönen“ bestimmt. Hier kann die Sprache durch melismatische Anfangs- bzw. Endformeln „musikalisiert“ werden oder gänzlich erstarren. Nicht das Erdenken „schöner Melodien“ ist das technisch-musikalische Hauptziel in diesem Werk, sondern die Möglichkeit einer Verschmelzung von Wort und Klang wird angestrebt – förmlich als Resonanz – bis hin zu einer neuempfundenen, aus dem alten Griechenland herüber leuchtenden mousiké.

Michael Radulescu

 

 

 

 

Michael Radulescu stammt aus einer Musikerfamilie und wurde 1943 als Sohn eines rumänischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Nach erstem Musikunterricht im Elternhaus und nach ersten Kompositionsversuchen beginnt er 1956 das Orgelstudium bei Victor Bickerich und 1957 das Kompositionsstudium beim prominenten Reger - Schüler Mihail Jora. Nach dem Besuch der Sommerakademien "Mozarteum" in Salzburg 1964 und 1965 und der Bekanntschaft Carl Orffs und Thrasybulos Georgiades' setzt er seine Studien an der Akademie (heute Universität) für Musik und darstellende Kunst in Wien fort als Schüler Anton Heillers (Orgel) und Hans Swarowskys (Dirigieren).

Seit seinem Debüt als Organist 1959 übt Radulescu eine rege Konzerttätigkeit aus als Organist und seit 1983 auch als Dirigent, die ihn seither durch Europa, Nordamerika, Australien, Japan und Korea gebracht hat. Regelmäßig hält Radulescu Gastvorträge und Meisterkurse in Europa und Übersee, deren Schwerpunkt die Interpretation und Deutung des Werkes J.S. Bachs in seinem Bezug zu unserer Gegenwart darstellt.

Seit 1968 unterrichtet Radulescu Orgel an der Universität (vormals Hochschule) für Musik und darstellende Kunst in Wien. Von 1971 bis 1990 leitete er den alljährlichen Orgel-Meisterkurs im Rahmen der Internationalen Meisterkurse im Fürstentum Liechtenstein und von 1977 bis 1987 betreute er die Internationale Süddeutsch-Österreichische Orgelakademie in Innsbruck. Seit 1990 leitet Radulescu die Internationale BACH - AKADEMIE (Orgel; Kantaten; Oratorien) in Porrentruy, Schweiz. 2002, 2003 und 2004 leitete er dort auch das Projekt der Interpretation, Erarbeitung und der vielbeachteten öffentlichen Aufführung von L. van Beethovens Symphonien auf historischen Instrumenten.

Als Komponist wurde Radulescu anfangs entscheidend durch die frühe Auseinandersetzung mit der Musik Hindemiths und Weberns geprägt und erhielt anschließend entscheidende Impulse durch die Kompositionen Schönbergs, Boulez' und Ligetis sowie durch die Klangwelt mittelalterlicher Musik, der Werke Olivier Messiaens und Carl Orffs. Die Hinwendung zu frühester Musikanschauung und das Einbeziehen ältester, elementarer Kompositionstechniken und Formkonzeptionen zusammen mit zeitgenössischen Spielpraktiken in seine Tonsprache geben dieser ihre Ausprägung im Spannungsfeld zwischen dem Zeitempfinden früher Epochen und jenem unserer Gegenwart, in der zeitlichen und räumlichen Organisation des Tonmaterials und seiner Parameter, in ihrem Bezug zur Sprache, zum Gestus, zur Bewegung.

Seit 1970 ist Radulescu als Juror bei internationalen Orgel- und Kompositions-Wettbewerben sowie als Herausgeber alter und ältester Orgelmusik ("Organum antiquum"/Früheste Orgelmusik, Werke von Paul Hofhaymer, von Georg Muffat und von Nicolaus Bruhns) tätig. 1999 erschien im Druck die von ihm ergänzte und herausgegebene, unvollständig überlieferte Ratswahlkantate BWV 193 "Ihr Tore zu Zion" von J.S. Bach.

Das kompositorische Schaffen Michael Radulescus umfaßt Chorwerke, Orgelmusik, Werke für Gesang und Orgel, für Chor und Orchester, Orchester- und Ensemble-Musik und fand Annerkennung durch Kompositionsaufträge bedeutender Ensembles sowie durch zahlreiche Preisverleihungen und Auszeichnungen. 2003 fand im Grazer Dom die aufsehenerregende Uraufführung seiner Passion („Leiden und Tod unsres Herrn und Heilands Jesus Christus“) als Auftragswerk des Grazer Doms statt.

Die Werke Michael Radulescus sowie die von ihm besorgten Ausgaben sind im Musikverlag Ludwig Doblinger, Wien/München erschienen.

Compact-Disc-Einspielungen Radulescus von Werken Bachs (deutsche harmonia mundi, Axiane/CH) und Georg Muffats (Ars musici) wie auch eigener Werke (Ars musici, deutsche harmonia mundi, amadeo, Camerata/Japan, ORF/A, Pheasant Records/DK, Triton/F) liegen vor.

Im Februar 2004 schloß Michael Radulescu für die Stiftung Axiane in Porrentruy/ Schweiz die ohne jede technische Manipulation realisierte Einspielung des gesamten Orgelwerks von J.S. Bach auf der berühmten Orgel von Jürgen Ahrend (nach Gottfried Silbermann) in der ehemaligen Jesuitenkirche zu Porrentruy ab.

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